Investieren ist wie Sport - Und nicht nur im Sinne des Marathons - Investorella

Investieren ist wie Sport

Und nicht nur im Sinne des Marathons

 

– Blogartikel, Autorin Larissa Kravitz

Ein Kapitalmarktsprichwort besagt, dass Investieren ein Marathon ist und kein Sprint.

Richtig so. Das Investieren hat sogar noch mehr mit Sport gemeinsam.

 

Es gibt Menschen, die das Investieren und den Kapitalmarkt ablehnen. Das kann ich irgendwie verstehen, denn auch ich lehne gewisse Dinge im Leben kategorisch ab: Ich hasse Sport. Ich lehne Sport mit Leib und Seele ab, wahrscheinlich sogar mit noch mehr Leidenschaft als eine Kommunistin den Kapitalmarkt.

Das kommt nicht von irgendwo her. Ich habe sehr gute Gründe dafür, die nicht nur aus meiner Lebenserfahrung stammen, sondern schlichtweg objektiv wahr sind.

Erstens, Sport ist extrem gefährlich, wenn nicht sogar tödlich. Beim Sport kann man nicht nur seine Gesundheit, sondern sogar das Leben verlieren. Jedes Jahr sterben in Österreich Menschen beim Bergwandern, weil ist abstürzen. Aber soweit muss es gar nicht kommen. Es gibt in Österreich pro Jahr 200.000 Sportunfälle 1! Bewegung ist gedacht, um von A nach B zu kommen und nur weil manche Menschen übertreiben und unnötigen Sport machen, tragen 200.000 von ihnen Verletzungen davon die sie vielleicht ihr ganzes Leben lang beeinträchtigen werden. Sport verletzt, Sport tötet.

Hinzu kommt, dass die meisten Menschen sich von der Sportindustrie von vorne bis hinten abzocken lassen. Es ist unglaublich was Markenturnschuhe in der Produktion kosten (so ca. € 10 Herstellungspreis) und für welch arstronomische Preise sie im Handel verkauft werden (für Markensneakers gerne mal € 100 oder mehr).

Da stecken nicht nur die mächtigen Sportmanager dahinter, sondern die Naivität der Käufer wird durch Sport-Millionäre befeuert. Kein Fußballer ist € 222 Millionen wert 2! Diese Leistung kann kein Mensch liefern! Die Ungleichheit in dieser Industrie ist ein Wahnsinn. Niemand auf der Welt kann so gut spielen, dass er das 58-fache eines normalen Bundesliga-Fußballspielers verdient! 3 Das ist noch nicht alles. Wer nicht in der ersten Liga spielt kommt als Fußballer gar nicht über die Runden und braucht noch einen 2. Job.

Aber klar, dass manche dieser Stars solch obszöne Gagen haben, denn all die Kids wollen so sein wie sie und damit lassen sich Millionen überteuerter Turnschuhe und Shirts verkaufen. Hinzu kommen Geldwäscheskandale, Drogen, Doping, und Sexparties…..oh ja, die Panama Papers bitte nicht vergessen!

Ich wusste schon immer, dass Sport fürchterlich ist.

Als kleines Mädchen musste ich noch im Vorschulalter mit dem Gymnastiktraining das ich begonnen hatte, wieder aufhören. Meine Mutter, ehemalige Jugendstaatsmeisterin, war erst Anfang 30 als sich bei ihr die ersten gravierenden Schäden an der Hüfte und Wirbelsäule bemerkbar machten. Sie wollte mich vor dem schlimmen Schicksal des Sports bewahren.

Ich ging also in den Ferien Reiten, bis ich bei einem Ausritt mit ansehen musste, wie meine Mutter von einem Pferd fiel und fast von ihm zertrampelt wurde. Sie kam “nur” mit einem Knochenbruch davon.

Die Schule gab mir dann den Rest. Ich wollte beim Sport ja mitmachen, aber es gibt wohl kaum eine größere Qual für die zarte Teenagerseele als ausgelacht zu werden, wenn man mit dem Gesicht auf den Schwebebalken knallt oder mit 12 am gemeinsamen Schwimmunterricht mit Buben teilnehmen muss. Oder wenn man dann endlich ein Volleyballteam zusammenbekommt, um dann bei der Regionalliga von all den professionell organisierten Schulteams des Bezirks so derartig vernichtet zu werden, dass der Schiri das Spiel vorzeitig beendet.

Leider endete meine Qual nicht mit 12. Mit 16 musste ich mir anhören wie grottenschlecht ich im Tennisspielen bin, obwohl meine Eltern viel Geld für den Club und Tennisstunden ausgaben.

Anfang 20 probierte ich es noch einmal ernsthaft und musste mir permanent von meinem damaligen Partner anhören, wie faul ich doch sei und dass Frauen im Gym ja überhaupt nur tratschen und ich mich einfach nicht genug selbst pushe. Nachdem ich auch nach 3-4x/Woche Training inkl. einem Halbmarathon nicht abnahm warf ich im wahrsten Sinne endgültig das Handtuch.

Never again.

Ich war keine Ex-Sportlerin. Ich war Sport-Überlebende.

Deswegen hasse ich Sport und lehne die Sportindustrie ab.

Nur hat das Ganze einen Haken.

Dem Sport ist egal, was ich über ihn denke oder fühle. Alles was ich über meine Erfahrung mit Sport erzählt habe ist wahr. Die Argumente gegen die Sportindustrie sind ebenfalls wahr, doch langfristig und auf’s große Ganze betrachtet ist die Wissenschaft nicht auf meiner Seite, sondern auf der Seite des Sports.

Sport ist gesund.

Der Mensch braucht Bewegung. Sitting is the new smoking. Sport und Bewegung sind nicht nur für den Körper wichtig, sondern auch für die Seele und (wie neueste neurologische Studien zeigen) auch für das Gehirn. Die WHO empfiehlt Erwachsenen 150-300 Minuten moderate sportliche Betätigung oder mindestens 75-150 Minuten intensiven Sport pro Woche 4.

 

Die Wahrheit ist, wenn ich Sport ablehne, bin ich diejenige die draufzahlt.

 

Genauso ist es mit dem Investieren.

Manche Menschen haben in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen damit gemacht. Andere lehnen die Finanzindustrie ab, weil es darin negative Auswüchse gibt (genauso wie in jeder anderen Industrie auch). Doch am Ende des Tages ist klar, dass man investieren muss wenn man sein hart erarbeitetes Geld für die Zukunft vermehren will. Je nachdem wie lange man zurückschaut und welches regionale oder internationale Datenset man verwendet, erkennt man dass die Durchschnittsrenditen der entwickelten Aktienmärkte zwischen 8% 5 (S&P 500) und 12% 6 (MSCI World) pro Jahr liegen.

 

Beim Investieren verhält es sich verblüffend oft genauso wie beim Sport.

Zu sagen: “Ich investiere nicht, weil ich nicht will dass die Banken an mir verdienen.” ist ungefähr so intelligent wie zu sagen, “Ich mache keinen Sport, damit die Turnschuhhersteller nicht an mir verdienen.” Genauso wie es enorm überteuerte Turnschuhe gibt, gibt es Finanzprodukte deren Gebühren eine Frechheit sind. Daher muss man sich überlegen, was man wirklich braucht und die Preise vergleichen.

 

Genau wie beim Sport kann man sich beim Investieren so richtig weh tun.

Man kann sogar alles verlieren. Das passiert oft dann, wenn man als Anfängerin etwas macht, das nicht der Erfahrung oder dem Wissensstand entspricht oder wenn man übermäßige Risiken eingeht. Als Anfängerin sollte man weder versuchen 100kg Gewicht zu heben, noch mit Optionsscheinen oder Daytrading hantieren.

 

Genau wie beim Sport ist es beim Investieren auch gefährlich zu glauben, man könne in einem Tag von null auf hundert springen.

Man muss das Ganze Schritt für Schritt angehen um sich kein Bein zu brechen. Es ist wichtig zu wissen wie man das Thema angeht, daher habe ich den Investorella Podcast geschaffen und den Onlinekurs für Einsteigerinnen.

 

Genau wie beim Sport lauern in der Finanzwelt Gefahren.

Wer sich online auf Plattformen begibt die versprechen, mit einer speziellen super-geheimen Turnübung innerhalb von 3 Tagen 20kg abzunehmen, riskiert man genauso abgezockt zu werden, wie jemand, der sich im Internet auf ein Investment einlässt, mit dem man ohne Vorwissen 20% pro Woche verdienen kann.

 

Genau wie beim Sport ist es bis 40 mehr oder weniger egal was man macht, aber ab 60 macht es richtig viel Unterschied was man über’s Leben hinweg getan hat.

Meine Großeltern sind ein gutes Beispiel dafür. Mein Großvater war sportlich und jeden Tag draußen in der Natur: Wandern, Fischen, Skifahren, Tennisspielen. Bis ein paar Monate vor seinem Tod mit 84 konnte er sich normal bewegen, Auto fahren und spazieren gehen. Meine Großmutter, die ich sehr liebe, machte leider ihr Leben lang kaum Sport. Selbst Spaziergänge waren nicht drin. Anfang 70 war es mit dem eigenständigen Gehen vorbei. Sehr oft wünsche ich mir, dass sie noch vor ein paar Jahren mehr spazieren gegangen wäre. Natürlich ist es nie zu spät. Vor kurzem hat ein kleiner Unfall sie aufgerüttelt und nun ist sie – Anfang 80 – drauf und dran und hoch motiviert wieder Gehen zu lernen.

 

Es ist nie zu spät, aber beim Sport und beim Investieren gilt: Je früher man damit anfängt, desto besser.

 

So sehr ich Sport auch hasse,…Ich habe trotzdem entschieden damit Frieden zu schließen. Für mich. Es hat lange gedauert und ich musste erst das Richtige finden. Dank meines Cousins, der ein genialer Personal Trainer ist und alle möglichen Sportarten liebt, muss ich mir eingestehen, dass ich mich auf das wöchentliche Training freue. Für meine Verhältnisse ist das ein absolutes Weltwunder.

Natürlich habe ich immer noch “Recht”: Sport ist gefährlich, manche Sportler sind überbezahlt und in der Sportindustrie gibt es Abzocke. Doch was bringt es mir, Recht zu behalten?

 

Es ist beim Sport genauso wie beim Investieren: In 20, 40 oder 60 Jahren muss ich damit leben was ich heute für meinen Körper und für meine Altersvorsorge getan habe.

Fotocredit: Bruno Nascimento , (Unsplash)

Über die Autorin, Larissa Kravitz
Larissa Kravitz beschäftigt sich seit 20 Jahren mit den Märkten, ist Finanzmathematikerin, ehemalige Aktienhändlerin, Strategieentwicklerin, Treasury-Managerin und Aufsichtsrätin und besitzt ein Vermögensberatungs- Unternehmen. Nun ist ihre Mission, die finanzielle Autonomie von Frauen und Familien durch Bildung zu stärken.

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