Mehr Hustlen für mehr Investment? - Investorella

Mehr hustlen für mehr Investment?

– Blogartikel, Autorin Larissa Kravitz

Sobald du damit beginnst dich mit dem Thema Geld und finanzielle Unabhängigkeit zu beschäftigen, stößt du unweigerlich auf das Thema “Side Hustle” also ein Nebenjob oder ein Neben-Business zusätzlich zu deiner regulären Erwerbstätigkeit.

In manchen Kreisen hat jede scheinbar ihren Side Hustle. Manche arbeiten am Wochenende geringfügig als Barista, andere schwingen sich für einen Lieferdienst auf’s Fahrrad und wieder andere bauen sich einen kleinen Onlineshop auf. 

Sobald das Konzept des Side Hustles einmal am Tisch ist, findest du schnell Blogs über die besten Side Hustles die du im Internet von zu Hause machen kannst du mit denen du garantiert in kürzester Zeit eine respektable Summe an Geld verdienst.

Du beginnst also für ein paar Dollar Apps zu testen, Texte zu übersetzen oder Umfragen auszufüllen. Das wird schnell langweilig, und wenn dir nach einem Wochenende $5 auf dein Paypal-Konto überwiesen werden, so bleibt von dem “Wow” aus den Blog-Artikeln eher nur ein “Meh” übrig. 

Tun’s die Internet Side Hustles nicht mehr, so muss ein waschechter Mini-Job im offline Leben her. Du verteilst also Flyer, hilfst Leuten beim Umzug, oder schenkst Fruchtsäfte aus. Ehrliche Arbeit für ehrliches Geld. Das ist schon Mal gut, außer für deinen Stresslevel. 

Während deine Freundinnen miteinander tratschen bist du bei der Arbeit. Dein Wochenende ist nun unter Umständen verkürzt und deine wertvolle Me-Time wird zur Me-Ain’t-Got-No-Time. Wenn du eine Familie hast, merkst du mit relativ sofortiger Wirkung wie deine Liebsten unter deinem Side Hustle leiden und das fühlt sich alles andere als gut an. Zu Guter letzt kannst du durch einen Side Hustle noch Probleme mit deinem Arbeitgeber bekommen. Nicht lustig!

 

Der offline Nebenjob hält also auch nicht was er verspricht und mittlerweile bist du leicht verzweifelt, da so viele Finanzblogs auf den Nebenverdienst als Schritt zur finanziellen Freiheit schwören. Es muss also ein besserer Nebenjob her, der ultimative Side Hustle.

 

 

Die Wahrheit über Nebenverdienste

 

Es muss ca. im Jahr 2009 gewesen sein, als ich mich mit dem Thema das erste mal auseinandergesetzt habe. Ich war Mitte 20 und hatte das Gefühl, dass meine Karriere und mein Einkommen stagnierten. Scheinbar kam ich nicht vom Fleck, und das obwohl ich so viel Energie und Ideen hatte.

Die meisten Internet Side Hustles entpuppten sich als Flop und machten höchstens meine Augen eckig, weil ich stundenlang vor dem Bildschirm saß. Relativ schnell merkte ich, dass die Blogs und Websites die mich weiterleiten daran verdienten, dass nun ein Übersetzungsvermittler meine Daten bekam. Die paar Euro, die dann bei mir landeten waren in Wahrheit den Aufwand nicht wert. 

Ich setzte mich also mit meinen Freunden zusammen und wir bastelten alle paar Monate an einer neuen Idee. Manche davon waren richtig gut, aber dann beanspruchte uns unsere reguläre Arbeit wieder derartig, dass wir mit unseren Ideen nicht weiterkamen. Einziger Wermutstropfen – wir haben wenigstens viel gemeinsam gelacht. 

Ich lernte in dieser Zeit also so einiges über Side Hustles und was ich damals natürlich noch nicht wissen konnte war, dass sich knapp zehn Jahre später mein Nebenjob in mein rasant wachsendes Traumbusiness verwandeln würde. Damit euch das – insofern ihr euch das wünscht – auch gelingt, habe ich hier für euch die vier besten Side Hustles aller Zeiten gesammelt, mit der geballten Weisheit aus 10 Jahren Experimenten mit Nebenjobs. Los geht’s.

 

 

Platz 4: Neue Karriere statt Nebenjob

Die dritt-beste Nebenbeschäftigung ist Weiterbildung, die zu konkreten Karrierensprüngen und einem höheren Einkommen führt. Die Rechnung ist eigentlich ganz einfach: Anstatt mit einem Nebenjob am Wochenende EUR 400/Monat zusätzlich zu verdienen, erwirbst du eine zusätzliche Qualifikation, die er dir ermöglicht in deinem 9-to-5 Job ein um EUR 400 höheres Gehalt zu erzielen. Somit hast du auch EUR 400 mehr, jedoch im normalen Zeitumfang und deine Entspannungszeit bleibt unangetastet. Langfristig gesehen ist das die bessere Variante, da sie dir wiederum noch mehr Möglichkeiten eröffnet. 

Aber Vorsicht: Das Bildungsangebot ist breit und nicht jede zusätzliche Qualifikation bringt auch den erwünschten Effekt auf deine Karriere. Die Demokratisierung der Bildung ist eine sehr gute Sache. Gleichzeitig hat sie auch dazu geführt, dass gewisse Abschlüsse nicht mehr viel wert sind. Für Jobs, für die vor 20 Jahren noch ein Mittelschulabschluss gereicht hätte wird nun oft ein Bachelor verlangt. 

Wenn du dich für Weiterbildung entscheidest, dann gehe sicher, dass dieses Investment sich auch wirklich lohnt. Wie macht man das? Ganz einfach, man fragt Menschen die diesen Kurs gemacht haben oder man stalkt sie einfach auf LinkedIn. Seriöse Bildungsinstitute stellen Material dazu sowieso auch gerne von alleine zur Verfügung. Sobald du deine Recherchen gemacht hast, stelle eine nüchterne Rechnung an und bewerte danach ob ein Weiterbildungskurs Sinn macht. 

 

 

Platz 3: Finanzielles De-Cluttering als Hobby

 

Clutter steht für Unordnung, Wirrwarr, und unübersichtlich herumliegendes Zeugs. Es gibt leider keinen wirklich passenden deutsch Begriff dafür, denn “ent-zeugen” klingt etwas beängstigend. Gleichzeitig ist De-Cluttering mehr als das einfache Aufräumen. Ausmisten kommt dem Begriff schon am nächsten.

Beim finanziellen De-Cluttering geht es darum Ordnung zu schaffen und somit Geld zu sparen, aber auch mit deinem unnötigen Zeugs Geld zu verdienen. Da sich in jedem Leben und in jedem Haushalt laufend Zeugs ansammelt, ist es eine gute Idee sich das De-Cluttering zum Hobby zu machen. 

Das De-Cluttering besteht im Prinzip aus zwei Elementen: aus dem ausmisten und dem optimieren. 

Der erste Schritt, Ausmisten, ist der wichtigste, denn ohne ihn ist es schwer ein wirklich optimiertes Finanzsystem zu schaffen. Beginnen kann man entweder mit dem physischen ausmisten oder dem digitalen. Beim digitalen Ausmisten geht es darum sich einmal alle Abos und digitalen Güter anzusehen um zu entscheiden, was man davon behält und was man davon wieder storniert, weil man es nicht verwendet. Gehe ich wirklich ins Fitness-Center. Benutze ich wirklich all die Medienabos, die ich habe. Verwende ich wirklich fünf Streaming-Dienste? Nach dem Ausmisten dieser Dienstleistungen geht’s an De-Cluttering. Viele Menschen scheuen davor ihre alten Dinge über Anzeigenportale oder das Internet zu verkaufen, da dies eine enorm mühsame Sache ist. Ich habe das auch einige Zeit lang versucht und musste dann feststellen, dass sich auf Kleinanzeigenportalen scheinbar überproportional viele Nervensägen herumtreiben um auf die Frau, die die Babytrage “ganz sicher heute abend noch abholen” wollte warte ich seit Mitte 2019. Zum Glück gibt es für die gängigen Kategorien an Clutter mittlerweile online Portale, die sich der Thematik angenommen haben. 

 

Bücher, alte CDs aber auch alte Elektrogeräte kann man über Rebuy oder Momox verkaufen. Man scannt den Strich-Code und schon bekommt man ein Angebot. Nimmt man es an, bekommt man den Versandschein und muss nur noch zur Post gehen. 

Auch für Kleidung und Schuhe gibt es eine gute Option, nämlich Sellpy. Diese schwedische Plattform ist relativ neu, aber deren Konzept ist genial. Man bestellt eine Versandtasche (für € 2,95) und legt all die Kleidung hinein, die man nicht mehr verwendet. Dann gibt man die Tasche im Paketshop ab. Sellpy sieht sich all die Kleidung an, und alles das einen Verkaufswert über EUR 5 hat, kommt auf deren Shopping-Website. Dort werden die Artikel auch relativ rasch verkauft, denn Sellpy hat ein umgekehrtes Auktionssystem. Die Artikel werden alle paar Tage um ein paar Cent billiger. Dekoartikel und gebrauchtes Kinderspielzeug werden seit neuestem auch akzeptiert. 

 

Der zweite Schritt des De-Cluttering ist die Optimierung. Hierbei checkt man all seine Verträge bei Vergleichsportalen durch, und bekommt eventuell ein besseres Angebot und kann wechseln. Plattformen wie Durchblicker machen den Vergleich einfach und man kann bis zu € 2.650 sparen. In der Investorella Podcastfolge #19 – Fixkosten runter hat mir das der CEO von Durchblicker verraten. 

 

Das Ganze geht doch nur einmal, dann hat man ja sein Zeug verkauft, oder? Daraus kann doch kein permanenter Side Hustle werden? Doch! Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich alles möglich Zeug immer wieder in einem Haushalt ansammelt. Schon seit ca. 2 Jahren sammle ich alle drei Monate Bücher zusammen und auch nicht mehr gebrauchte (Kinder-) Kleidung und hole mir dadurch € 20 – 150 zusätzlich ins Budget. Dieser Side Hustle bekommt also von mir das Prädikat “empfehlenswert”. 

 

 

Platz 2: Der Side Hustle mit Herz

 

Das generelle Problem an Side Hustles ist dass sie deine Freizeit verkürzen, was besonders in unserer digitalen überstressten Welt sowieso ein Problem ist. Wenn du dir eine Nebenbeschäftigung suchst, dann musst du also Opfer bringen. Opfer in Form deiner körperlichen und seelischen Erholung. Opfer in Form deiner sozialen Beziehungen, oder das schlimmste Opfer überhaupt, nämlich die wertvolle und unwiederbringliche Zeit mit deinen Kindern. Ist es das wert? Nein, in den meisten Fällen nicht. 

Es gibt hierbei jedoch eine Ausnahme und das ist die Nebenbeschäftigung mit Herz. Die Nebenbeschäftigung, die du liebst. Dein Hobby, dass du sowieso machst, auch ohne dass du dafür bezahlt wirst. 

Wenn du es liebst, vor einem guten Film am Abend Socken zu stricken weil dich das meditative Handarbeiten entspannt, dann verkauf’ diese Socken ruhig auf Etsy. Wenn du wahnsinnig gern mit Hunden in der Natur herumtollst, dann kannst du dich ruhig für Spaziergänge und Hundesitting bezahlen lassen. Wenn du für den nächsten Iron Man trainierst, dann kannst du ruhig auch Spinning-Stunden geben. 

Ein Nebenjob mit Herz ist anders, weil er in Wahrheit kein Job ist. Es ist eine Aktivität die dir Freude macht, die du sowieso machen würdest und bei der du keinen Druck verspürst. Das wäre auch das Anzeichen diesen Side Hustle wieder zurück zu fahren. Wenn anstatt der Freude auf dein Training ein “oh nein, nicht schon wieder” deine Gedanken beherrscht, dann ist es Zeit das Ganze zu reevaluieren. 

Als ich 2018 mit den Investorella-Vorträgen begann, hatte ich wahnsinnig viel Spaß daran. Ich tat dies, weil ich es liebe stundenlang über den Kapitalmarkt zu reden. Teilweise war es sicher auch meine Leidenschaft für das Thema, die dazu führte, dass ich immer mehr Einladungen bekam und aus diesem Nebenjob ein rasant wachsendes Business wurde. 

 

Meine Vorträge waren ein richtig guter Side Hustle. Dennoch gibt es noch einen besseren, den ultimativen Side Hustle, den besten aller Zeiten:

 

 

Platz 1: Nichts tun.

 

Was? Nichts tun? Ja, genau. Nichts tun, und zwar intensiv nichts tun und einfach das Leben genießen. 

Nicht konsumieren, nicht die ganze Zeit auf Social Media surfen um dort Werbungen für Dinge zu sehen, die man dann plötzlich unbedingt braucht. Nicht aus Neugier das x-te Abo abschließen, das man dann nicht verwendet. Nicht in die Einkaufsstraße oder das nächste Shoppingcenter gehen. Nicht bei jedem Problem, dass in deinem Leben auftaucht das Handy zücken um zu schauen ob es dafür, oder dagegen, eine App gibt oder ein Produkt das dank Prime-Abo am nächsten Tag nach Hause geliefert wird. 

Stattdessen widme dich dem hochwertigen Nichtstun. Lache mit Freundinnen, rede mit deiner Familie, spiele mit deinen Kindern, gehe draußen in der Natur spazieren. 

Wenn du es schaffst, im Bereich Konsum und Unterhaltung nichts, oder wesentlich weniger zu tun, dann brauchst du gar keinen Nebenjob. Dann hast du nämlich weniger Ausgaben zu finanzieren und kannst das Geld zur Seite legen, es investieren und somit wachsen lassen. 

In Wahrheit bringen Nebenbeschäftigungen in den meisten Fällen gar nichts und können sogar kontraproduktiv sein, weil du den Fokus verlierst und schlimmstenfalls im Burnout landest. Wenn du stattdessen lernst, nicht jedes Mal wenn dir langweilig ist oder du eine Emotion hast die du nicht spüren willst, etwas zu tun (etwas zu konsumieren, von einem Streaming-Dienst zum anderen zu zappen oder auf einer unökologischen Billig-Shopping-App zu surfen), sondern dich stattdessen mal umsiehst und all das Schöne in deinem Leben betrachtest, dann profitierst du nicht nur finanziell davon, sondern es öffnet sich dein Herz. 

 

Rede mit deiner Oma, anstatt dir einzureden, dass du durch die nächste hochwertige Doku auf einem teuren Streaming-Dienst zu einem solch gebildeten Menschen wirst. Heb ab, wenn dich deine Verwandten anrufen anstatt das Telefonat zu ignorieren, weil du gerade so ein wichtiges Computerspiel spielst. Spiele mit deinem Kind, anstatt einen sinnlosen Artikel online zu kommentieren, der dich gerade getriggert hat. Mach das Fenster auf und atme tief durch anstatt dir ein Glas teuren Wein zu gönnen. Verdammt, weine ruhig einmal wenn dir danach ist anstatt deine Trauer in einer Online-Shopping-App wegzuklicken. 

Tu im Bereich des Konsumieren gelegentlich nichts, und leg das dadurch nicht ausgegebene Geld zur Seite. Mach dir einmal ein oder zwei ETF-Sparpläne, dann musst du auch in diesem Bereich laufend nichts tun und das war’s. 

 

Dann ist deine einzige Nebenbeschäftigung das Leben zu genießen. 

 

Über die Autorin, Larissa Kravitz
Larissa Kravitz beschäftigt sich seit 20 Jahren mit den Märkten, ist Finanzmathematikerin, ehemalige Aktienhändlerin, Strategieentwicklerin, Treasury-Managerin und Aufsichtsrätin und besitzt ein Vermögensberatungs- Unternehmen. Nun ist ihre Mission, die finanzielle Autonomie von Frauen und Familien durch Bildung zu stärken.

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