Sparbuch: Mit “Sicherheit” 25% Verlust durch Inflation

Was die Inflation mit deinen Ersparnissen macht, und was du dagegen tun kannst

 

– Blogartikel, Autorin Larissa Kravitz

Die Inflation ist in aller Munde und ist in den letzten Monaten sogar so kräftig angezogen, dass sie es in die Abendnachrichten geschafft hat. In Österreich betrug sie im Oktober bereits 3,7% , die Prognose für November liegt bei 4,3% (1) und war damit so hoch wie zuletzt Anfang der 90er-Jahre (Mai ‘92). Doch wir hatten Glück. Im Euroraum stieg sie auf imposante 4,9% und in Deutschland sogar auf 6%.

 

Lieferverzögerungen wegen Corona, Fachkräftemangel und die steigenden Energiepreise wurden von Ökonom:innen als Gründe genannt. Diese Faktoren werden mit aller Wahrscheinlichkeit nicht innerhalb der nächsten Monate abflachen. Wir werden uns wohl an höhere Inflationsraten gewöhnen müssen. Das bedeutet: Alles wird teurer, und zwar noch schneller als zuvor.

 

Inflation – was machst du mit meinem Geld?

 

Die Teuerungsrate ist jedoch nicht nur an sich ein Problem. Ein weiteres Problem an ihr ist, dass ca. ⅓ der Bevölkerung sie nicht versteht. Im September 2021 präsentierte der damalige Finanzminister Blümel die gemeinsame Finanzbildungsstrategie des Ministeriums, der EU-Kommission und OECD und erläuterte Umfrageergebnisse:

 

“35 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher haben Schwierigkeiten, den Effekt von Inflation korrekt zu beschreiben”.

 

Uh! Das ist natürlich katastrophal. Jede und jeder kennt das Gefühl, dass alles mit der Zeit immer teurer wird, doch wenn man den Effekt der Inflation nicht versteht, so kann man sich weder darauf vorbereiten, noch davor schützen. Im Endeffekt bedeutet die Preissteigerung, dass unser Geld Jahr für Jahr um diesen Prozentsatz weniger Wert wird. Es steht zwar immer noch die Zahl 100 auf unserem Euroschein, doch wir bekommen Jahr für Jahr weniger Waren und Dienstleistungen für unseren 100er und unsere Sparguthaben werden entwertet.

 

Dieser Blog-Post ist dafür da, die Inflation zu erklären und ihren Effekt auch genau anhand von realen Daten zu visualisieren, sowie aufzuzeigen, wie du dein Vermögen davor schützen kannst.

Wenn dich die Daten beim Lesen überraschen oder du jemanden kennst, der oder die sich damit noch nicht so gut auskennt, dann teile diesen Artikel mit ihm oder ihr.

 

Die Teuerungsrate in Zahlen 

 

Die folgende Tabelle wurde mit den Daten der Statistik Austria (2) und der österreichischen Nationalbank (3) erstellt. Sie zeigt die Sparzinsen und die Inflation. Durch die Einlagezinsen wächst das Vermögen. Die Inflation vermindert es. So entstehen die Realzinsen, also die Wertentwicklung der Spareinlage im Vergleich zum Preisniveau von Waren und Dienstleistungen.

Das ist das Resultat:

 

In den letzten 21 Jahren lag die Inflation mit der Ausnahme von 2009 immer über dem (täglich fälligen) Sparzins. Der Realzins war also fast immer negativ. Sparer haben also in 20 aus 21 Jahren auf einem simplen Sparbuch Geld verloren. In dieser Berechnung ist die 25%-ige KESt auf Spareinlagen noch gar nicht enthalten. Wie würde also ein reales Beispiel aussehen?

 

Milas Sparbuch

 

Nehmen wir den Fall von Mila. Sie wurde im Jahr 2000 geboren. Ihre Mutter bekam von Verwandten zu Milas Geburt € 10.000 geschenkt und legte dies auf ein normales (täglich fälliges Sparkonto). Das wäre aus den EUR 10.000 geworden: 

 

Milas Mutter hat es gut gemeint und wollte das Geld für ihre Tochter “sicher” anlegen. Zu ihrem 21. Geburtstag hat Mila jedoch nicht mehr von dem Geld als im Jahr 2000. Im Gegenteil. Die Teuerungsrate hat das Sparguthaben entwertet und Mila kann sich als Erwachsene nun nur mehr etwas über 25% weniger Waren und Dienstleistungen (Gegenwert € 7.414,35) kaufen als im Jahr 2000. 

 

Das trifft nicht nur Mila hart, sondern auch Anna, Sandra, Fatima und Maria. Warum? Frauen schadet die Inflation doppelt, da sie überproportional in Sparbücher oder Bausparverträge investieren. Frauen nutzen Sparguthaben ca. 10% öfter als Männer. (4)

 

Die Alternative – das Portfolio

 

Die Alternative zum Sparbuch ist klar: Will man, dass das Vermögen wächst, so muss man es investieren und zwar in Anlagen die mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Rendite über der Inflation abwerfen. 

Ganz nach dem Motto: “Geld allein macht nicht glücklich, es gehören auch Aktien, Gold und Immobilien dazu,” wählt Milas Mutter ein simpel diversifiziertes Portfolio aus ⅓ internationalen Aktien, ⅓ Gold und ⅓ österreichischen Immobilien. Dies kauft sie zu Milas Geburtstag im Jahr 2000 um € 10.000. 

Der Aktienanteil wird durch den MSCI-World Index abgebildet. Den Gold-Anteil (5) deckt sie mit physischem Gold ab und der Immobilien-Anteil wird durch die Preisentwicklung des österreichischen Immobilienpreisindex der ÖNB abgedeckt (6). Die Renditen dieser drei Investments sind ebenfalls inflationsbereinigt, d.h. die Inflation wurde abgezogen. 

Wie hätte sich Milas Vermögen mit diesem gedrittelten Portfolio entwickelt?

Aus € 10.000 wurden bis zu Milas 21. Geburtstag € 23.506,45 (nach Ver-KESt-ung des MSCI-World Anteils. Auf physisches Gold und Immobilien gibt es keine KESt.), also mehr als das 3-fache der Spareinlage und mehr als das doppelte des nominal investierten Betrags.

 

Auch die Portfoliorenditen werden durch die Inflation beeinflusst, doch Gold, Immobilien und Aktien wiesen – trotz teilweise starker Volatilität – langfristig Renditen über der Inflation aus. Damit konnte das Vermögen wachsen.

 

Will man also das “Ersparte” behalten und vermehren, so eignet sich das klassische Sparbuch aufgrund der niedrigen Zinsen und höheren Inflation nicht mehr. Man hat also keine andere Wahl als zu Investieren. Dies bringt zwar Schwankungen mit sich, doch dafür auch einen immensen Wertzuwachs.

 

Aber worin Investieren? Und wie? Das Beispiel des gedrittelten Portfolios zeigt bereits einige der wichtigsten Investment-Regeln: 

 

  1. Setze nie alles auf eine Karte, sondern streue dein Investment auf verschiedene Anlageklassen (z.B. Aktien, Anleihen, Gold, Immobilien, Rohstoffe, Start-ups, Kryptowährungen).
  2. Volatilität ist zu erwarten, also sollte man einen Zeithorizont haben, der so lang ist, dass man negative Phasen aussitzen kann.
  3. Starte so früh wie möglich, denn die Inflation entwertet fast jedes Jahr deine Ersparnisse.

 

Viele Menschen, gerade auch viele Frauen, trauen sich nicht den ersten Schritt in Richtung Investment zu wagen. Deswegen habe ich einen Online-Kurs entwickelt, um Anfängerinnen beim Einstieg in den Kapitalmarkt zur Seite zu stehen – von der Finanzoptimierung, über die Brokerwahl bis hin zur ersten Wertpapierorder.

Hier geht’s zum Kurs:  [Online-Kurs] Investieren für Einsteigerinnen (investorella.at)

Er gibt dir als Einsteigerin das Wissen mit, damit du deine Ersparnisse in wenigen simplen Schritten sinnvoll und gut gestreut anlegen kannst, damit sie vor der Inflation geschützt sind und du von deiner harten Arbeit in Zukunft mehr hast als heute.

 

Falls dich dieser Blog-Post schockiert, überrascht oder inspiriert hat, dann tue einer Freundin, Bekannten oder Kollegin den Gefallen, und teile ihn mit ihr. Jede und jeder sollte darüber Bescheid wissen was Inflation mit unseren Ersparnisse macht und was man dagegen tun kann. Diese Erkenntnis ist in (kleines) Vermögen wert.

 

Quellen:

 

  1. Schnellschätzung der Statistik Austria: Verbraucherpreisindex (VPI/HVPI) (statistik.at)
  2. Inflationsdaten: Verbraucherpreisindex (VPI/HVPI) (statistik.at)
  3. Einlagezinssätze: Zinssätze der Kreditinstitute – Oesterreichische Nationalbank (OeNB)
  4. Umfrage der Raiffeisen KAG und Spectra Research
  5. Goldpreis von Gold.de: Goldpreisentwicklung 2021 in Euro & Dollar | GOLD.DE
  6. Der Österreichische Immobilienpreisindex der ÖNB: Wohnimmobilienpreisindex (oenb.at) Dies ist zwar kein investierbarer Index, eignet sich in diesem Beispiel jedoch gut um die Preisentwicklung von Immobilien darzustellen.

Fotocredit: Sara Kurfeß (Unsplash)

Über die Autorin, Larissa Kravitz
Larissa Kravitz beschäftigt sich seit 20 Jahren mit den Märkten, ist Finanzmathematikerin, ehemalige Aktienhändlerin, Strategieentwicklerin, Treasury-Managerin und Aufsichtsrätin und besitzt ein Vermögensberatungs- Unternehmen. Nun ist ihre Mission, die finanzielle Autonomie von Frauen und Familien durch Bildung zu stärken.

Was denkst du? Lass es mich wissen:

 

2 Kommentare

  1. Elke

    Sehr schön und sehr übersichtlich, danke schön.
    Mein einziges Problem: Mit 58 Jahren habe ich natürlich keinen langen Anlagehorizont mehr. Für Anleger*innen wie mich finde ich leider nirgends geeignete Tipps – könntest du darüber nicht mal was machen? Das wäre großartig. Denn mein Geld bis zu meinem Ableben auf ein Tagesgeldkonto zu stecken, weil ich Angst vor einem Börsentief habe, das kann ja auch keine Lösung sein … oder?

    Antworten
    • Larissa Kravitz

      Hi Elke,
      Es stimmt, dass es wenige Informationen dazu gibt. Das inspiriert mich, einen Blog-Artikel darüber zu schreiben. 😉
      Wenn man mit 50+ anlegt ist es besonders wichtig auf einere geringere Volatilität der Wertpapiere zu achten, sowie eher auf ausschüttende Titel zu setzen. Im Online-Kurs gibt es dazu im Kapitel 5 ein Video über Dividendenaktien.
      In der Praxis struktuirere ich die Portfolios von Anlegerinnen 50+ auch gerne mit einem höheren Gold-Anteil und globalen Makro. Fonds/ETFs.

      Antworten

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